Rekord-Solarthermieanlage der Stadtwerke Greifswald nimmt Betrieb auf


Die Stadtwerke Greifswald zählten zu den ersten Akteuren, die ein Innovatives KWK-System mit Solarthermie als erneuerbarer Systemkomponente realisieren, betont der Versorger. Die Solarthermieanlagen bestehen aus Hochleistungs-Vakuumröhren und arbeiten mit reinem Wasser als Wärmeträgermedium. Solarthermische Großanlagen bieten emissionsfreie, grüne Wärmeenergie für die Einbindung in kommunale sowie städtische Nah- und Fernwärmenetze.


Die thermische Leistung der Solarthermieanlage liegt an Sommertagen bei etwa 11 MW und deckt damit die Grundlast ab. Überschüsse werden mittels Wärmespeicher zwischengepuffert und bedarfsgerecht, also zeitlich entkoppelt, bereitgestellt. Die Anlage speist in das bestehende Haupt-Fernwärmenetz, so dass alle Bestandskunden im Stadtgebiet und darüber hinaus neu erschlossene Wohngebiete von der CO2-neutralen grünen Fernwärme profitieren.


Die Stadtwerke haben aber noch deutlich weitergehende Pläne. Ab 2024 sollen 35 Prozent der Fernwärme in Greifswald aus erneuerbarer Energie kommen. Dazu sollten Solarenergie, Biomethangas und eine Großwärmepumpe genutzt werden, erklärte Stadtwerke-Chef Thomas Prauße. „Gas sparen ist für mich ein Anliegen“, sagte er bei der Inbetriebnahme der Anlage. Hier wäre noch mehr möglich. Die SWG verfügten über eine Power-to-Heat-Anlage, mit der man aus Strom Wärme erzeugen könne. „Die ist aber nicht eingeschaltet.“ Der Betrieb sei nicht wirtschaftlich. Zugleich würden jährlich 6 TWh Windkraft abgeriegelt, weil es an Netzkapazität fehle. Würde man diesen Strom für die Power-to-Heat-Anlage nutzen, könnte man weitere 15 Prozent der Fernwärme regenerativ erzeugen, sagte Prauße.


Gasumlage auf Biomethan: „…wohl das leichteste, den Fehler zu beheben“


Zudem betreibe man vor Ort ein Blockheizkraftwerk zu 100 Prozent mit Biomethan aus der Region. Dafür müssten die SWG aber nun die Gasumlage zahlen. Das koste die Stadtwerke 3,2 Mio. €. „Die hab ich nicht.“ Prauße appellierte an den bei der Inbestriebnahme ebenfalls anwesenden Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne): „Wenn wir mal einen Fehler machen, wie vielleicht mit der Gasumlage auf Biomethangas, dann ist doch wohl das leichteste, den Fehler zu beheben.“


Kellner signalisierte, dass man sich die Umlage noch einmal ansehe. Er verwies auf das vergleichsweise gut ausgebaute Fernwärmenetz in Ostdeutschland als Chance, die Wärme-Versorgung CO2-frei zu gestalten. Im Osten läge die Abdeckung bei etwa 30 Prozent, während sie etwa in Baden-Württemberg oder Bayern bei unter 10 Prozent liege. Zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung solle die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) beitragen (vgl. Bericht auf S. ne38-321-fett). Der Vorteil der Wärmeerzeugung aus regenerativer Energie bestehe auch darin, dass man keine teuren Schecks an Autokraten ausstellen müsse und Wertschöpfung in der Region entstehe.


BSW: Potenzial für Solarthermie bei etwa 100 TWh


Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) laufen in Deutschland aktuell etwa 50 große Solarthermieanlagen. Knapp 50 weitere seien in Planung oder im Bau, wobei die Durchschnittsgröße zunehme. Im Ausland – etwa in Dänemark – gebe es noch deutlich größere Anlagen als die in Greifswald. Eine BSW-Sprecherin sagte, man beziffere das realistische Potenzial der Solarthermie in Deutschland auf etwa 100 TWh im Jahr. Der Warmwasserbedarf sämtlicher deutschen Haushalte liege jährlich bei über 100 TWh.


Herausforderungen seien bei den großen Anlagen langwierige Genehmigungsverfahren sowie die Verfügbarkeit von Flächen. Diese müssten in der Nähe der Nutzer liegen, da sich Wärme nicht gut über weite Strecken transportieren lasse. Klassischerweise werde Solarthermie mit anderen Energieträgern kombiniert, so dass etwa im Sommer gespartes Gas im Winter zur Verfügung stehe. Theoretisch sei aber auch denkbar, den Bedarf eines Wärmenetzes ganzjährig zu decken. Dafür bräuchte es nur Speicher, die groß genug seien.