China dominierte 2024 weiterhin den Weltmarkt für Solarwärme. Den Zuwachs an thermischer Leistung beziffert der Bericht auf 17,8 GW nach 21 GW im Vorjahr. Anwendungen zur solaren Warmwasserbereitung und Raumheizung in Gebäuden sind nach wie vor die vorherrschende Nutzung in den meisten Regionen weltweit. Dieses Segment steht jedoch unter Druck – durch den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen und politische Maßnahmen zur Elektrifizierung.
Die Niederlande verzeichneten den größten Zuwachs bei solarer Fernwärme in Europa, während Deutschland sich an die Spitze der globalen Märkte für neu installierte Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PVT) setzte – das einzige Marktsegment, in dem China nicht an der Spitze liegt. Diese hybriden Systeme, die gleichzeitig Strom und Wärme liefern, gewinnen insbesondere in Kombination mit Wärmepumpen an Bedeutung. Ihre absolute Bedeutung bleibt bislang allerdings noch überschaubar. Insgesamt meldeten 46 Hersteller den Angaben zufolge weltweit Verkäufe mit einer installierten thermischen Leistung von 37,5 MWth und elektrischer Leistung von 18,6 MWp – ein Plus von 13 Prozent bei der Wärmeleistung im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland liegt bei der thermischen Leistung in diesem Marktsegment mit 15,6 MW vor den Niederlanden (10,1 MW).
Wachstum bei Industrie- und Fernwärmeanlagen
Während der private Gebäudebereich zunehmend unter dem Druck von Elektrifizierungsstrategien stehe, legten industrielle Anwendungen zu. Weltweit wurden 2024 insgesamt 106 neue SHIP-Anlagen (Solar Heat for Industrial Processes) mit 120 MW Leistung installiert – 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Zusätzlich befinden sich weitere 125 MW an industrieller Solarwärmeleistung im Bau. Besonders hervorzuheben sind drei Großprojekte für Kupferminen in Chile, bei denen der Versorger Gasco als Wärmelieferant agiert.
Auch im Bereich der solaren Fernwärme wächst das Segment dynamisch: 2024 wurden dem Bericht zufolge weltweit zehn neue Systeme mit einer Gesamtleistung von 74 MW in Betrieb genommen. Damit sind inzwischen 346 Städte an solarthermische Netze angeschlossen, 59 davon in Deutschland (127 MWth). Zu den größten neuen Anlagen zählt ein 34 MW-System in den Niederlanden.
Vielseitigkeit von Solarthermie-Anlagen als Vorteil
In Südosteuropa zeigen aktuell Fortschritte: In Pristina (Kosovo) wurde im April 2025 eine Ausschreibung für ein 44 MW-Kollektorfeld mit saisonalem Speicher abgeschlossen, in Novi Sad (Serbien) ist ein 27 MW-Projekt in Vorbereitung, die ebenfalls mit einem saisonalen Speicher ausgestattet werden soll.
Der Rückgang im wichtigsten Marktsegment, dem klassischen Warmwasser- und Raumwärmemarkt, belaste die Gesamtentwicklung und konnte 2024 nur teilweise durch das dynamische Wachstum bei solarthermischen Großanlagen in Industrie und Fernwärme abgefedert werden. Die Vielseitigkeit und CO₂-Freiheit solarthermischer Technologien machten die Technologie aber gerade dort attraktiv, wo Elektrifizierung allein nicht ausreicht, heißt es. „Trotz eines herausfordernden Marktumfelds im Wohnbereich sehen wir dynamisches Wachstum bei industriellen und großtechnischen Anwendungen“, betont Christoph Brunner, CEO von AEE INTEC und Mitautor des Berichts.